Das Museum - Geschichte
Vom Höbarthmuseum zum regionalen Veranstaltungs- und Kulturzentrum
Die Eröffnung des „Höbarthmuseums“ in Horn erfolgte im Dezember 1930, nachdem der Postbedienstete Josef Höbarth seine archäologischen, paläontologischen, mineralischen und volkskundlichen Sammelstücke dem neugegründeten Museumsverein Horn überlassen hatte. Die Museumsbestände wurden permanent erweitert und umfassten bald sogar Funde aus der griechisch-römischen Antike und eine Sammlung von Schriftstücken zum berüchtigten „Räuberhauptmann“ Grasel. Prunkstück war jedoch die ur- und frühgeschichtliche Sammlung, die vor allem auf Josef Höbarth zurückging, aber unter seinem Nachfolger als Kustos und Museumsleiter, Friedrich Berg, erweitert wurde.
1965–1973 übersiedelte das Museum von der Prager Straße in den renovierten Gebäudekomplex des ehemaligen Bürgerspitals in der Wiener Straße. Das geräumigere Museumsgebäude erlaubte die Durchführung von Sonderausstellungen zu verschiedensten Themen. 1975 schenkte der Landwirt Ernst Mader aus Breiteneich seine Sammlung von bäuerlichen Arbeitsgeräten, Hausrat und Landtechnik der Stadtgemeinde Horn unter der Bedingung, dafür ein Museum zu errichten. Das „Landwirtschaftliche Museum Ernst Mader der Stadt Horn“ wurde im Oktober 1983 eröffnet und erweiterte nicht nur das Museumsareal, sondern auch das ohnehin breite Spektrum der Museumsbestände. Durch den Zubau des „Madermuseum“ wurde die Museumsbezeichnung in „Museen der Stadt Horn – Höbarth- und Madermuseum“ abgeändert.
Jedoch folgten weder im ur- und frühgeschichtlichen noch in der landwirtschaftlichen Abteilung bedeutende neue Initiativen, vielmehr erregte das Museum durch große historische Sonderausstellungen das mediale Interesse, so etwa zur Reformationszeit im Waldviertel und zum Horner Bund von 1608.
Durch die Neugestaltung des Madermuseums und seiner Neueröffnung 2021 in Form der Ausstellung „Mensch.Boden.Technik – 7500 Jahre Landwirtschaft“ erhielt das nunmehrige „Museum Horn“ einen neuen Schwerpunkt. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Betreuung darf sich das Museum nun niederösterreichisches Kompetenzzentrum für historische Landtechnik nennen.
Das Museum stellt heute einen ausgedehnten Gebäudekomplex dar und weist eine Ausstellungsfläche von etwa 2000m2 allein im Innenbereich auf. Es ist zudem ein bedeutendes regionales Veranstaltungs- und Kulturzentrum.
Josef Höbarth
Josef Höbarth (1891–1952) gilt als Gründer des Museums in Horn. Er wurde als Sohn eines Schmiedemeisters im unweit von Eggenburg gelegenen Reinprechtspölla in einem ländlich-bäuerlichen Umfeld geboren. Er schlug die Berufslaufbahn eines Postbeamten ein. Vielseitig interessiert sammelte er seit seiner frühesten Jugend vor allem ur- und frühgeschichtliche sowie paläontologische, aber auch – in der Diktion der Zeit – „volkskundliche“ Objekte. Sein Interesse wurde durch Johann Krahuletz angefacht, dessen Museum in Eggenburg er als Schüler häufig besuchte. Besonders faszinierte ihn die Urgeschichte: Er begann auf den von Krahuletz beschriebenen Fundstellen selbst nach Artefakten zu suchen.
Im Waldviertel hat die urgeschichtliche Forschung eine Tradition, die in das frühe 19. Jahrhundert zurückreicht. Candid Ponz Reichsritter von Engelhofen (1803–1866), Johann Krahuletz (1848–1928) und Franz Xaver Kießling (1859–1940) sind als die wichtigsten Vorreiter zu nennen. Wie auch bei Josef Höbarth feststellbar vereinten ihre Sammlungen neben prähistorischen Funden oft auch geologische, paläontologische und „volkskundliche“ Objekte. In der Region entstand eine ausgeprägte Sammlerkultur, die in der Tradition der – im gesamten deutschsprachigen Raum in bildungsbürgerlichen Kreisen erstarkenden – Heimatbewegung stand. Diese betrachtete die Erscheinungsformen der Moderne wie Industrialisierung und Urbanisierung mit kritischen Augen und schuf etwa in der Idealisierung der ‚ursprünglichen‘ bäuerlichen Kultur ein kulturelles Gegengewicht. Diese Vorstellungen verbanden sich oft mit Deutschnationalismus, der im Waldviertel besonders ausgeprägt war.
Ursprünglich wollte Höbarth seine Sammlungen dem Krahuletz-Museum übergeben. Durch den Konflikt mit der Kustodin des Eggenburger Museums, Angela Stifft-Gottlieb, wegen angeblicher „Raubgräberei“ wurde diese Möglichkeit verbaut. Er wurde beschuldigt, Grabungen trotz fehlender Berechtigungen durch das Bundesdenkmalamt durchgeführt zu haben. In seinem damaligen Dienstort Horn stieß Höbarth mit seinen Sammlungen dagegen auf lebhaftes Interesse. Der damalige Postmeister und Gemeinderat Johann Geringer soll laut Höbarths Lebenserinnerungen gemeint haben: „Wenn Eggenburg ein Krahuletz-Museum hat, warum sollte Horn nicht ein Höbarth-Museum haben“, womit die Rivalität zwischen den benachbarten Städten zum Ausdruck kam. Höbarth überließ 1930 seine Sammlung gegen eine geringe finanzielle Entschädigung dem eigens dafür gegründeten Museumsverein in Horn. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde – trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen – das „Höbarth-Museum der Stadt Horn“ eröffnet, dessen Kustos er bis zu seinem Tod blieb.
Seiner unermüdlichen Grabungs- und Sammeltätigkeit verdankt Horn eine überregional bedeutende urgeschichtliche Sammlung. Sein Arbeitsbereich war hauptsächlich das Gebiet des Manhartsberges, von wo er auch stammte. Die Übergangslandschaft zwischen Waldviertel und Weinviertel ist reich an prähistorischen und paläontologischen Fundstellen. Trotz fehlender akademischer Ausbildung erarbeitete sich Höbarth durch den Kontakt zu bedeutenden Prähistorikern wie Anton Hrodegh, Josef Bayer und Eduard Beninger ein breites fachliches Wissen. Im Gegensatz zu ausgebildeten Archäolog:innen machte sich Höbarth aber kaum Notizen über seine Funde, womit Fundorte, -umstände und ‑zusammenhänge oft unklar blieben. Auch seine Publikationstätigkeit blieb auf wenige Fundberichte beschränkt. Dass Höbarth zwar viele Fundstellen entdeckte, letztlich aber akademisch ausgebildete Prähistoriker wie Josef Bayer die Leitung der Grabungen übernahmen und die Anerkennung der Fachkollegenschaft erhielt, dürfte Höbarth doch getroffen haben. Darum dürfte die kurz vor seinem Tod erfolgte Verleihung des Berufstitels Professor für ihn eine besondere Auszeichnung gewesen sein.
Die Gründung des Höbarthmuseums 1930
Bedenkt man, dass Horn ein Verwaltungsmittelpunkt und eine Schulstadt war, so scheint es bemerkenswert, dass das Museum verhältnismäßig spät geschaffen wurde. Denn nachdem bereits in den 1830er Jahren in Retz ein Museum entstanden war, wurde um 1900 mit den Gründungen in Krems, Zwettl, Eggenburg, Langenlois und Gars das Netz der Museen in der Region dichter. Die Gründung des Höbarthmuseums 1930 fiel in eine Gründungswelle von Stadt- und anderen Lokalmuseen in Niederösterreich.
Mit der Gründungsversammlung im August 1930 avancierte der Museumsverein zu einer wichtigen kulturellen Institution in Horn. Gerade in der Zwischenkriegszeit waren durch den Zerfall der Habsburgermonarchie und die schwierige wirtschaftliche Situation identitätsstiftende Institutionen gefragt. Dabei bestand die Tendenz, die längst vergangene oder durch die gesellschaftlichen Umwälzungen verschwundene Lebenswelt der „Urväter“ in einem Museum zu präsentieren. Es herrschte das Selbstbild eines „Heimatmuseums“ mit einem urgeschichtlichen Schwerpunkt vor. Das von Höbarth eingerichtete Museum stützte sich hauptsächlich auf seine Sammlung, enthielt aber auch neu übernommene Objekte und Sammlungen. Das Museum unterteilte sich – nach dem Museumsführer aus dem Jahr 1931 – in eine „volkskundliche“ und „prähistorische Abteilung“. Die volkskundliche Abteilung glich einem Sammelsurium unterschiedlichster Objekte, in der Regel mit lokalem oder regionalem Bezug. Sie umfasste etwa Schützenscheiben, Zunfttruhen, verschiedene Urkunden und Bilder, Münzfunde, alte Maße und Gewichte, (kunst-)handwerkliche Objekte, einen barocken Kachelofen, „Trachtenstücke“, Uhren, Geschirr, kirchliche und religiöse Gegenstände sowie Hinterglasbilder. In einem Raum wurde – „recht stimmungsvoll“ – eine „Waldviertler Bauernstube“ samt Herrgottswinkel, „Bauernstühlen“ und „Bauernbett“ eingerichtet. Dieses Mobiliar wurde von einem Vereinsausschussmitglied gespendet. Daneben wurden Geräte der Schwarzen Küche und zur Flachsverarbeitung präsentiert. Die „Bauernstube“ durfte auch in Eggenburg und anderen städtischen Museen nicht fehlen – ein Zeichen für die bürgerliche Verklärung der ländlich-bäuerlichen Kultur.
Seit Anbeginn wurden auch verschiedene Objekte, die mit Johann Georg Grasel in Zusammenhang standen, vor allem Literatur und schriftliche Quellen, gesammelt und ausgestellt. Die Geschichte(n) des 1818 hingerichteten „Räuberhauptmanns“ war(en) vor allem im nördlichen Waldviertel weithin bekannt.
Als Prunkstück sah man jedoch die große ur- und frühgeschichtliche Sammlung an. Sie brachte der Stadt Horn regelmäßig Besuch von bedeutenden Wissenschaftlern und ranghohen Politikern. Dies bedeutete wohl gerade für das bildungsaffine Horner Bürgertum eine große Anerkennung. Nicht zufällig wurde die Museumsgründung durch Höbarths Entdeckung einer mesolithischen Fundstelle auf dem Galgenberg bei Horn, die einer wissenschaftlichen Sensation gleichkam, beschleunigt.
Während die geologisch-paläontologische Abteilung im Krahuletz-Museum einen bedeutenden Platz einnahm, konnte man im Höbarthmuseum nur eine geringe Zahl von Mineralien und paläoontologischen Funden präsentieren.
NS-Zeit 1938-1945
Das Jahr 1938 bedeutete – im Vergleich zu 1934 – eine starke Zäsur. Die Eingliederung in das Deutsche Reich brachte etwa eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen mit sich: Der Museumsverein übertrug daher seine Sammlungen in das unveräußerliche Eigentum der Stadtgemeinde Horn. Dem Museumsverein kam fortan nur mehr eine beratende und fördernde Funktion zu. Zudem wurde die Archäologie durch den Nationalsozialismus vereinnahmt und gefördert, wollte man doch etwa durch den Nachweis germanischer Kulturkontinuität die eigene Weltanschauung untermauern und politische Ziele rechtfertigen. Auch Höbarth stellte seine Forschungstätigkeit in den Dienst des NS-Regimes: „Das älteste Hakenkreuz des Großdeutschen Reiches – aus dem Ahnengau des Führers!“1, verkündete er wenige Monate nach dem „Anschluss“. Nach eigenen Angaben fand er im September 1938 bei Mold eine jungsteinzeitliche Tonscherbe mit eingraviertem Hakenkreuz. Wie er selbst bemerkte, war es „ein ganz merkwürdiges Zusammentreffen, dass gerade in der letzten Zeit im Waldviertel […] eine größere Anzahl von urzeitlichen Hakenkreuzen entdeckt wurde.“
Besonders der Hakenkreuz-Fund brachte Höbarth und dem Museum mediale Aufmerksamkeit und Anerkennung vonseiten der politischen Elite. So besuchte etwa Landwirtschaftsminister und Landesbauernführer Anton Rheintaller im Sommer 1938 das Museum (siehe Abbildung 3), es folgte Gauleiter Hugo Jury. Weiters berichtet das Protokollbuch des Museumsvereins vom Besuch des Reichsinnenministers Wilhelm Frick und Gauleiter Jury im September 1941.
Auch die „volkskundliche“ Sammlung erfuhr einige politisch-ideologisch motivierte Zugänge. Nach dem Beginn der Aussiedlung der Bevölkerung aus dem Gebiet des 1938 neu geschaffenen Truppenübungsplatzes Döllersheim (später Allentsteig) bemühte sich Kreisbauernführer Ernst Mader, der seit dem „Anschluss“ auch offizielles Mitglied des Museumsvereinsausschusses war, für die Kreisbauernschaft und das Höbarthmuseum einige Gegenstände aus dem „Eigentum des Vaters unseres Führers“ zu erwerben. Aus jenem Haus, worin die ehemalige Wohnung der Großmutter und des Vaters von Adolf Hitler vermutet wurde, übernahm das Museum im Frühjahr 1939 einen Kasten und mehrere bäuerliche Arbeitsgeräte.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Höbarth wegen seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP von der Stadtgemeinde Horn außer Dienst gestellt. Doch konnte er mit der Wiedereröffnung des Museums 1949 seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Höbarth starb im Dezember 1952 und wurde in einem Ehrengrab der Stadt Horn beigesetzt.
1 AMH, Handschriftliche Notiz von Josef Höbarth zum Hakenkreuz-Fund von Mold, undat.
Etablierung als Urgeschichtemuseum unter Friedrich Berg und Neuorientierung in den 1970er Jahren
Nach dem Tod Josef Höbarths entschied sich die Stadt Horn 1954 für die Anstellung eines promovierten Prähistorikers als Museumsleiter in der Person von Friedrich Berg. Das Höbarthmuseum beherbergte zu dieser Zeit die bedeutendste ur- und frühgeschichtliche Sammlung Niederösterreichs. Durch die Anstellung Bergs konnte das Museum seine Stellung als Zentrum der Urgeschichtsforschung festigen– trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen. Für Berg und seinen Mitarbeiter Karl Docekal galt es zuerst die vielen von Höbarth gesammelten Funde zu sichten, zu inventarisieren und ordnungsgemäß zu lagern. Daneben wurden auch noch Grabungen und Notbergungen durchgeführt, welche die prähistorische Sammlung erweiterten.
Da die Region um Horn eine hohe Dichte an paläoontologischen, vor allem aber prähistorischen Artefakten aufweist, gab es eine Reihe von privaten Sammlungen unterschiedlichen Umfangs, die – zu Lebzeiten oder nach dem Tode der Sammler – dem Museum übergeben wurden. Darüber hinaus eigneten sich einige langjährige (freiwillige wie auch hauptberufliche) Mitarbeiter des Museums ein breit gefächertes Wissen, vor allem in den Bereichen Ur- und Frühgeschichte, Paläontologie, aber auch Geologie und Mineralogie an, dass durch gemeinsame Grabungsprojekte erweitert wurde. Dies traf etwa auf Alois Gulder, „Präparator“ Karl Docekal, Ingo Prihoda (Museumsleiter 1971–1987), Hanns Haas (später Universitätsprofessor für österreichische Geschichte) und Amand Körner zu. Sie alle bauten Sammlungen auf, die an das Museum weitergegeben wurden.
Nach dem Abgang von Friedrich Berg 1965 und einem Interregnum von mehreren Jahren wurde 1971 Gymnasiallehrer Ingo Prihoda als neuer Museumsleiter eingesetzt. Da nun kein Prähistoriker mehr zur Verfügung stand, wurden dem Museum auch keine Grabungsbewilligungen mehr erteilt. Darüber hinaus konnten die Funde aus den von anderen Institutionen durchgeführten bzw. finanzierten Grabungen in der Region nur mehr selten für das Museum gewonnen werden. Jedoch wurden bis in die jüngste Zeit Privatsammlungen übernommen.
Durch die Verlagerung des Museumsstandortes von der Pragerstraße zur Wienerstraße Nr. 4 wurde 1973 – nach einer achtjährigen Übersiedlungs- und Umbauphase – das neue Museumsgebäude, das ehemalige Bürgerspital, seiner Bestimmung übergeben. In dem nunmehr geräumigeren Museum wurde jährlich zumindest eine Sonderausstellung abgehalten, womit sich das Museum neuen Themen und als Ausstellungsort interessierten Personen und Institutionen öffnete und ein weiteres Publikumsspektrum ansprach.
Die Dauerausstellung untergliederte sich um 1980 im Wesentlichen in eine ur- und frühgeschichtliche, geologisch-paläontologische, stadtgeschichtliche und „bäuerliche“ bzw. volkskundliche Abteilung. Der Objektbestand des Museums wurde permanent erweitert, ohne eine spezielle Sammelstrategie zu verfolgen. Zwei Bestandsgruppen wurden bedeutend ausgebaut: Zum einen initiierte Amand Körner eine Sammlung von Waldviertler Mineralien, die er mit seiner eigenen umfangreichen Sammlung ergänzte. Zum anderen schenkte Ernst Mader 1975 der Stadtgemeinde Horn seine umfangreiche Sammlung von bäuerlichen Arbeitsgeräten und Landmaschinen.
Das „Landwirtschaftliche Museum Ernst Mader“
Ernst Mader wurde 1892 in Rodingersdorf geboren, wo seine Eltern eine stattliche Gastwirtschaft betrieben. Nach dem Ersten Weltkrieg wollte er nach Brasilien auswandern, doch heiratete er schließlich Theresia Stöger und damit in einen großen landwirtschaftlichen Betrieb in Breiteneich ein. Es folgte eine Karriere als Lokalpolitiker und Agrarfunktionär. Wie bereits erwähnt, hatte er in der NS-Zeit die Funktion des Kreisbauernführers im Kreis Horn inne und war auch in den Museumsvereinsausschuss aufgenommen worden, jedoch dürfte er nicht an Sitzungen teilgenommen zu haben. Aufgrund seines Engagements im NS-Regime flüchtete er 1945 vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen in die spätere amerikanische Besatzungszone, kehrte aber 1946 wieder zurück.
In der Nachkriegszeit verpachteten Ernst und Theresia Mader ihren Betrieb in Breiteneich. Aufgrund der kinderlosen Ehe versuchten sie lange vergebens Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. Sie zogen nach Horn und widmeten sich fortan dem Reisen. Noch vor dem Tod seiner ersten Gattin 1961 gelang es, ihren Betrieb mit einem Großteil des Grundbesitzes zu übergeben. In den 1960er Jahren wurde die ländlich-bäuerliche Welt vom „Strukturwandel“ erfasst. In Mader erwachte die Sammelleidenschaft. Er hatte das Bedürfnis, die im Zuge der Modernisierung in den Bauernhöfen ausgemusterten Maschinen, Geräte und sonstigen Gebrauchsgegenstände zu bewahren. Dabei investierte er viel Zeit und Geld. Bemerkenswert war, dass er nicht nur – wie viele Sammler und Heimatmuseen – landwirtschaftliche Geräte aus der Zeit vor der Mechanisierung erwarb, sondern offenbar auch die Entwicklung in der Landtechnik durch sorgfältige Auswahl der Objekte dokumentieren wollte. Seine anwachsende Sammlung stellte er vorerst in seinem Hausgarten zur Schau, benötigte jedoch bald zusätzliche Depots.
1971 wurde er aufgrund seiner Sammeltätigkeit durch Kooptation in den Museumsvereinsausschuss aufgenommen. Verschiedene museale Institutionen begannen sich für die Sammlung zu interessieren, etwa das Niederösterreichische Landesmuseum. Es ist erstaunlich, dass im Museumsverein offenbar erst im Jahr 1974 ein stärkeres Interesse an Maders Sammlung aufkeimte, bezeichnenderweise im Kontext der Neugestaltung der „volkskundlichen“ Abteilung im neuen Museum. Landwirtschaft war im Horner Stadtmuseum bisher ein Randthema, auch wenn Artefakte der „bäuerlichen Volkskunde“, darunter auch Arbeitsgeräte, seit der Museumsgründung gesammelt wurden.
1975 schenkte Ernst Mader der Stadtgemeinde Horn knapp 400 Objekte und verband diese Schenkung mit einer großzügigen Dotation für den Bau eines Museums. Zudem bemühte er sich bis zu seinem Tod, die Sammlung zu erweitern. Er erlebte auch noch die Errichtung der großen Ausstellungshalle, die an das alte Museumgebäude angebaut wurde, bevor er im Mai 1979 starb. Der Museumsbau wurde bis 1980 abgeschlossen und es dauerte weitere drei Jahre, bis das Museum – mit Unterstützung des Landes Niederösterreich in Person von Werner Galler – eingerichtet werden konnte. Im Oktober 1983 wurde das „Landwirtschaftliche Museum Ernst Mader“ in Anwesenheit des Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger eröffnet. Im großzügigen Außenbereich des Museums wurde ein dislozierter historischer Stadel errichtet, später ein zweiter großer offener Stadel.
Durch die Errichtung des Madermuseums gab es nunmehr zwei Horner Museen, die unter der Doppelbezeichnung „Höbarth- und Madermuseum“ (woraus sich die Bezeichnung „Museen der Stadt Horn“ entwickelte) zusammengefasst wurden. Viele Akteure im Museumsverein sahen das Höbarthmuseum aber als die übergeordnete und wichtigere Institution und Josef Höbarth als wesentliche Identifikationsfigur an.
Thematische Vielfalt und Schwerpunkt Reformationszeit – von den 1980er bis in die 2000er Jahre
In den letzten Jahrzehnten spielten Sonderausstelllungen eine zunehmend bedeutende Rolle im Museumsbetrieb. Damit rückte von den vier großen Aufgabenstellungen des Museums, dem Sammeln, Bewahren, Erforschen und Präsentieren, das Letztere zunehmend in den Vordergrund. Anfangs zeigten die Sonderschauen hauptsächlich Werke regionaler Künstler oder bildnerische Darstellungen zu verschiedenen Themen (z.B. Fotoausstellungen des Fotoklubs Horn, historische Darstellungen der Region). Außerdem wurden Horner Vereine, regionale Institutionen (u.a. Volkshochschule Horn, Waldviertel-Akademie) und Sammler zu Präsentationen eingeladen und auch Wanderausstellungen gezeigt. Bemerkenswert ist, dass in den 1980er Jahren erstmals auch zeithistorische Sonderausstelllungen (auch zur NS-Zeit) präsentiert wurden – ein Novum im bisher weitgehend apolitischen Ausstellungsbetrieb. Hier wird die Handschrift von Erich Rabl erkennbar, der seit 1983 stellvertretender Leiter und von 1987 bis 2001 Leiter der „Museen der Stadt Horn“ war. Er initiierte auch die wenigen Ausstellungen mit agrarhistorischem Inhalt (z.B. über die Raiffeisenkassen).
Die 1990er und 2000er Jahre waren geprägt von großen historischen Sonderausstellungen mit dem Schwerpunkt auf der Reformationszeit, zu denen teils umfangreiche Ausstellungskataloge erschienen. Dabei übernahm Gustav Reingrabner als Initiator und wissenschaftlicher Leiter eine bedeutende Rolle. Einen außergewöhnlichen Publikumserfolg konnte das Museum vor allem 1990 mit knapp 14.000 BesucherInnen verzeichnen, als die Sonderausstellung über das bürgerliche Leben im Waldviertel in der Frühen Neuzeit zeitgleich mit der Landesausstellung auf der Rosenburg stattfand. Auch die 2008/09 gezeigte Ausstellung „Adelige Macht und Religionsfreiheit 1608 – der Horner Bund“ wurde von Reingrabner kuratiert.
Ein innovatives regionales Museumsprojekt, das der Ankurbelung des Tourismus diente, wurde in den 1990er Jahren durch interkommunale Kooperation und mit großzügiger Unterstützung des Landes Niederösterreich verwirklicht: Der 1996 eröffnete „Kulturpark Kamptal“ vermittelte die Entwicklung der Kulturlandschaft und seine naturräumlichen Voraussetzungen im Gebiet des Kamptals und des Manhartsbergs. Das neu geschaffene Netzwerk von Museen, Themenwegen und „Erlebnispunkten“ ist im Zusammenhang mit der damals verstärkt propagierten Strategie des regionalen Zusammenschlusses in Themenstraßen oder eben Kulturparks zu sehen. Das neue Museums- und Vermittlungskonzept trug zudem der wachsenden Erlebnisorientierung Rechnung. Das Museum Horn war eines von drei „Eingangstoren“ in den Kulturpark, wofür ein neuer Zubau, die „Kulturparkhalle“ (mit dem angeschlossenen Museumsbüro), errichtet wurde. Im Zentrum der hier präsentierten Schau stand das kulturelle Schaffen in 30.000 Jahren Menschheitsgeschichte. Die touristische Wirkung hielt sich im Falle Horns jedoch in Grenzen, wodurch die Ausstellung nur wenige Jahre währte. Auch die erwähnte Ausstellung von Gustav Reingrabner „Als man um die Religion stritt… – Reformation und Katholische Erneuerung im Waldviertel 1500-1660“ war als Erlebnispunkt innerhalb des „Kulturparks Kamptal“ geplant. Diese in der ehemaligen Bürgerspitalskapelle gestaltete Schau bildet noch gegenwärtig einen zentralen Teil des stadt- und regionalgeschichtlichen Ausstellungsbereichs.
Seit 2007 erfolgte der letzte Umbau des Gebäudekomplexes mit der Schaffung einer repräsentativen Ausstellungshalle als Herz des Museums durch die partielle Überbauung eines Hofes im ehemaligen Bürgerspital.
Auf dem Weg zum „Kompetenzzentrum für historische Landtechnik“ seit 2017
Die 2010er Jahre stehen im Zeichen der Neukonzeptionierung des Museums. Nach Beratungen mit dem Museumsmanagement Niederösterreich entschloss sich die Stadtgemeinde Horn zur Weiterentwicklung des Museums in Richtung Kompetenzzentrum im Sinne des Museumskonzepts des Landes Niederösterreich. 2017 übergab Toni Kurz die Leitung des Museums an Anton Mück, als wissenschaftlicher Leiter wurde der Agrarhistoriker Martin Bauer vom Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten engagiert. Das ehemalige Madermuseum wurde grundlegend erneuert und modernisiert und 2021 als Ausstellung „Mensch.Boden.Technik – 7500 Jahre Landwirtschaft“ neueröffnet. Dieser Ausstellungsbereich bildet den neuen Mittelpunkt des nunmehrigen „Museum Horn“ und steht im Mittelpunkt der Vermittlungstätigkeit des „Kompetenzzentrums für historische Landtechnik“. Durch den neuen thematischen Schwerpunkt erhält nicht nur die seit den 1980er Jahren beständig erweiterte Landtechniksammlung mehr Gewicht, auch die archäologische bzw. ur- und frühgeschichtliche Sammlung wird stärker in das neue Museumskonzept integriert. Es soll darin die Entwicklungen in der Landwirtschaft von der neolithischen Revolution bis zur Gegenwart anhand von Arbeitsgeräten vielseitig und abwechslungsreich dargestellt werden.