Teil 1: Ackerbau und Grünland
Autor: Martin Bauer
Klimatische Schwankungen sind normal. Die letzten Jahrzehnte zeigen jedoch einen rasanten Anstieg der Temperaturen. Der Grund liegt – da ist sich die Wissenschaft weitestgehend einig – in der Erhöhung der Menge der in der Atmosphäre vorkommenden Treibhausgase. Vor allem die Nutzung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas verstärkt den Treibhauseffekt und damit die Erderwärmung.
Gerade die Landwirtschaft ist von Klimaänderungen direkt betroffen, da in und mit der Natur produziert wird. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft selbst, wie andere Wirtschaftszweige auch, Mitverursacher des Klimawandels. Daher muss die Landwirtschaft der Klimaänderung in doppelter Hinsicht gerecht werden. Einerseits ist sie dazu aufgefordert, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren, auf der anderen Seite muss sie sich zwangsläufig an die veränderten Klimabedingungen anpassen.
Durch das vermehrte Auftreten von Hitze- und Trockenphasen sowie von anderen extremen Wetterereignissen sind die Betriebe gezwungen, die Bewirtschaftung zu ändern. Sie weichen etwa auf trockenresistente Feldfrüchte und Baumarten aus. Außerdem werden Pflanzen gezüchtet, die Dürre und Hitze besser standhalten und resistent gegen Schädlinge und Krankheiten sind. Manche mögen’s zum Glück heiß.
Ackerbau
Der Klimawandel zeigt besonders durch die Trockenheit, durch häufigere Wetterextreme und die Ausbreitung von Schadorganismen Auswirkungen. Durch die zeitliche Verschiebung der Entwicklungsstadien und die beschleunigte Entwicklung von Pflanzen verschieben sich auch Aussaat und Ernte. Mittlerweile wird das Getreide zwei Wochen früher geerntet als Anfang der 1990er Jahre.
Der Ackerbau hat in Österreich seinen Schwerpunkt in den östlichen Landesteilen. Gerade dieser Landesteil ist besonders von Hitze- und Trockenstress und damit verbundenen Ertrags- und Qualitätseinbußen betroffen.
Bewässerungsanlagen gibt es vor allem im Marchfeld. Von den 100.000 Hektar Bewässerungsflächen in Niederösterreich befinden sich – dank des Marchfeldkanals – knapp zwei Drittel, etwa 60.000 Hektar, im Marchfeld. Tatsächlich werden jährlich zirka 20.000 bis 30.000 Hektar Anbaufläche, vor allem Gemüse, Hackfrüchte, Mais und Sojabohnen, bewässert. Damit genießt dieses Anbaugebiet einen wesentlichen, wenn auch kostspieligen Vorteil gegenüber anderen Gebieten, z.B. auch der Region Horn, wo die Niederschläge ebenfalls sehr gering ausfallen. Aufgrund dieser Trockenheit im Osten zeichnet sich in Österreich eine Verschiebung des Schwerpunkts der ackerbaulichen Produktion nach Westen ins niederschlagsreichere Oberösterreich ab.
Das Wachstum von Sommergetreidearten wird durch Frühjahrstrockenheit und Hitze im Sommer beeinträchtigt, weshalb sie zunehmend von Wintergetreidearten ersetzt werden. Diese können die Feuchtigkeit in den Wintermonaten besser nutzen. Nach der Meinung von Experten sollten vor allem die Ackerbaubetriebe im Osten des Landes vermehrt auf trockenresistente Arten wie Soja, Mais, Sonnenblume und Hirse setzen. Spezielle Anbaustrategien wird es für wichtige versorgungsrelevante Kulturarten wie Kartoffel, Zuckerrübe und Braugerste geben müssen. Nicht zuletzt ist die Pflanzenzüchtung gefordert nicht nur widerstandsfähige, sondern auch ertragreiche Sorten zu züchten. Hilfreich ist auch ein Wissens- und Erfahrungsaustausch mit Regionen, die bereits jetzt trocken-warme Klimabedingungen haben.
Wassersparende Bewirtschaftungspraktiken wie Zwischenfruchtanbau, reduzierte (oder gar pfluglose) Bodenbearbeitung und Direktsaat werden als wichtige Lösungsansätze angesehen. Durch Bodenbedeckung (Zwischenfrüchten, Untersaaten) wird der Boden beschattet, die Wasserspeicherfähigkeit verbessert und die Verdunstung reduziert. Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge kann auch bei Wetterextremen stabilere Erträge erbringen und den Beikraut- und Schädlingsdruck verringern. Diese Maßnahmen helfen auch Erosion zu unterbinden, den optimalen Humusgehalt aufzubauen, die Biodiversität und den Klimaschutz zu fördern. Sie werden im Rahmen des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) gefördert.
Laut Josef Strommer, Biolandwirt in Mold, hängt „die Anwendbarkeit dieser Maßnahmen aber von verschiedenen Faktoren wie Klima, Boden, Bio/konventionell ab. Als Biolandwirt kann ich auf den Pflug nicht völlig verzichten, weil ich das Beikraut regulieren muss. In der Praxis gehen pfluglose Bodenbearbeitung oft mit dem Einsatz von Herbiziden einher.“
Auch die Ausbreitung von Schadorganismen ist ein Problem. In den vergangenen Jahren hat der Drahtwurm den Erdäpfeln zugesetzt, während Zuckerrübenflächen dem Rüsselkäfer zum Opfer fielen. Aushilfe können hier angepasste Pflanzenbaumethoden, effizienter Pflanzenschutz und gezielte Züchtung schaffen.
Durch die hohe Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln werden 60% der österreichischen Ackerflächen für die Erzeugung von Futtermitteln verwendet. Eine Konzentration auf pflanzliche Nahrungsmittel könnte nicht nur einen Selbstversorgungsgrad garantieren, sondern auch klimaschonender sein. Jedoch erfordert sie eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten.
Entwicklung der Hektarerträge wichtiger Feldfrüchte in Österreich 1923–2010 (Index 1955 = 100). In den letzten Jahrzehnten zeigt sich nach jahrzehntelangem Wachstum eine Stagnation. Die Ertragsentwicklung wird von vielen Faktoren beeinflusst, auch die klimatischen Bedingungen spielen hinein.
Schäden in der Landwirtschaft in Österreich 2013–2023 in Millionen Euro mit Angabe des Anteils der Dürreschäden (Quelle: Österreichische Hagelversicherung)
Grünlandwirtschaft
Das Grünland versorgt Rinder, Schafe und Ziegen mit Grundfutter (Grünfutter, Silage, Heu) – entweder indem sie gemäht (Wiesen) oder beweidet (Weiden) werden. Da ein Jahresniederschlag von mindestens 700–800mm erforderlich ist, stellt Grünland in den Alpen und in Teilen des Alpenvorlands die wichtigste Kulturart dar. Das östliche Waldviertel (inkl. Region Horn) gehört zum pannonisch beeinflussten Gebiet, wo aufgrund der Trockenheit und des Feldfutterbaus in der Landwirtschaft kaum mehr Wiesen und Weiden zu finden sind.
Immer öfter stehen im Jahresverlauf ungleichmäßig verteilte Niederschlagsereignisse in Kombination mit Starkregenereignissen heftigen Trockenperioden gegenüber. Das ist auch für die Bewirtschaftung des robusten und anpassungsfähigen Grünlands, das auf ausreichend und vor allem gleichmäßig verteilte Regenereignisse angewiesen ist, eine problematische Entwicklung.
In trockenheitsgestressten Beständen verschiebt sich das Verhältnis von Stängeln zu Blattmasse in Richtung des Stängelanteils - geringere Erträge und Futterqualitäten sind die Konsequenz. Die häufiger werdenden Trockenperioden schlagen sich auch in der Zusammensetzung der Pflanzenbestände nieder. Auf Wiesen und Weiden wachsen Gräser, Kräuter (z.B. Löwenzahn), Blumen und Hülsenfrüchte (vor allem Kleearten). Im Gegensatz zu den meisten Gräsern verfügen die Kräuter über tief reichende Wurzeln. Bei trockenen Bedingungen sind sie im Vorteil und können sich in den Beständen ausbreiten. Das kann aber den Ertrag und die Futterqualität beeinträchtigen. Stark einseitig, hauptsächlich aus Gräsern bestehende Pflanzenbestände reagieren besonders empfindlich auf ausbleibende Niederschläge.
Maßnahmen: Steigende Temperaturen und die Verlängerung der Vegetationsperiode ermöglichen in Regionen mit genügend Niederschlag eine Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung durch Erhöhung der jährlichen Schnitthäufigkeit. Mit eingeschränkter Wasserverfügbarkeit ist in ebenen Lagen zum Teil eine Umstellung auf Ackerbau zu erwarten. Da das Grünland ein wichtiger Kohlenstoffspeicher ist, leistet es jedoch einen wesentlichen Beitrag für den Klimaschutz.
Im Dauergrünland sind die Anpassungsstrategien an den Klimawandel begrenzt: Die Wasserspeicherkapazität kann durch Humusaufbau nur geringfügig erhöht werden. Großflächige Bewässerung, wie man sie in mittleren Lagen Südtirols und der Schweiz findet, ist derzeit aus ökonomischen Gründen und aufgrund zahlreicher Konflikte bei der Wassernutzung unrealistisch.
Aufgrund der ungleichmäßigeren Verteilung der Niederschläge ist eine optimale Ausnutzung des vorhandenen Wassers entscheidend. Einerseits soll bei Niederschlagsereignissen das Wasser möglichst vollständig vom Boden aufgenommen und andererseits die Verdunstung minimiert werden. Ein locker gelagerter, nicht verdichteter Boden nimmt Wasser besonders effizient auf. Wird der Boden durch schwere Maschinen verdichtet, wirkt sich das negativ auf die Wasseraufnahmefähigkeit, die Durchwurzelbarkeit und auch den Pflanzenbestand aus.
Eine wesentliche Maßnahme zur Anpassung an trockenere Bedingungen ist die Nachsaat in den vorhandenen Pflanzenbestand mit Saatgut von trockenheitstoleranten Pflanzen wie Glatthafer und Rotklee, die über ein tiefreichendes Wurzelsystem verfügen.
Der Minimierung von Verdunstungsverlusten dient die Einhaltung einer ausreichenden Schnitthöhe. Bei einer Schnitthöhe von rund 8 cm wird der Boden ausreichend beschattet. Zugleich treiben die Pflanzen rascher aus und sorgen für eine weitere Beschattung. Die Schnitthäufigkeit sollte zusammen mit der Düngung an die sich verändernden klimatischen Bedingungen angepasst werden.
In Österreich geht die Anzahl der Almen sowie der Bestoß der Almen aufgrund von Bewirtschaftungsnachteilen kontinuierlich zurück. Die aufgegebenen Almen sind von Verwaldung und Verbuschung betroffen. Dem Erhalt von Almflächen kommt jedoch eine besondere Bedeutung zu. In Zukunft ist hier mit höheren Temperaturen mit einer verbesserten Produktivität zu rechnen. Außerdem dienen die Almen als Rückzugsgebiete für pflanzliche und tierische Arten der Biodiversität.
Das Horner Becken im Mai – im Bild ist das Dorf Mold zu sehen. Die Felder sind grün, aber es gibt kaum Grünland. Aufgrund des geringen Niederschlags sind die Bedingungen für Wiesen- und Weidewirtschaft ungünstig. In Zukunft werden sie sich noch weiter verschlechtern. (Foto: Wolfgang Andraschek)
Stehendes Wasser durch verdichteten Boden (Quelle: Landwirtschaftskammer OÖ/Fritscher)